Über den Umgang mit Fotos im Internet

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 Teil 1: das Recht am eigenen Bild

Das Internet ist eine wahre Fundgrube für praktisch jeden Lebensbereich geworden. Allerdings ist der Umgang mit den aus dem world wide web bezogenen Informationen mitunter ein sehr „zweifelhafter“. Vor allem die Nutzung von fremden Bildern gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen und kann mitunter teure Abmahnungen nach sich ziehen. Wir haben die wichtigsten rechtlichen Grundlagen für die Verwendung von Bildmaterial zusammengetragen. Im ersten Teil gehen wir der Frage nach, welche Rechte am eigenen Bild es gibt und wie sie auszulegen sind.

Recht am eigenen Foto

Umgang mit Fotos im Internet!

Grundsätzlich hat jede Person ein „Recht auf das eigene Bild“. Das Recht am eigenen Bild ist wie das Namensrecht ein Persönlichkeitsrecht. Es besteht darin, dass Bilder von Personen nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen, wenn dadurch berechtigte Interessen der Abgebildeten/des Abgebildeten oder unter Umständen einer nahen Angehörigen/eines nahen Angehörigen verletzt würden. (Quelle für Österreich: § 78 des Urheberrechtsgesetzes (UrhG))

Ob die Veröffentlichung eines Bildes zulässig ist, hängt davon ab, ob nach objektiven Gesichtspunkten schutzwürdige Interessen der Abgebildeten/des Abgebildeten entgegenstehen. (Quelle: https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/172/Seite.1720440.html).

„Berechtigte Interessen“ werden jedenfalls dann immer verletzt, wenn „das Bild herabsetzend, entwürdigend oder entstellend ist“, wie der Rechtsanwalt Peter Schoeller in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ erläutert. (Quelle: http://www.kleinezeitung.at/s/lebensart/multimedia/4073026/Facebook-Co_Recht-am-eigenen-Bild-kann-verteidigt-werden ). Das gilt insbesondere, so die vorherrschende Judikatur, bei Fotos, die „in die Privat- oder Intimsphäre des Abgebildeten eingreifen oder ihn der Neugierde und Sensationslust der Öffentlichkeit preisgeben. Wie etwa die Veröffentlichung von Nacktfotos“.

Allerdings müsse beispielsweise jemand, der sich halbnackt für ein „soziales Medium“ wie Facebook oder Twitter fotografieren lässt, mit einer Veröffentlichung rechnen. (Quelle: ebenda)

Der Oberste Gerichtshof hat sich im Jahr 2013 dem deutschen BGH angeschlossen. Danach sind Fotoaufnahmen, auf dem der Abgebildete deutlich zu identifizieren ist, in der Regel nur mit Einwilligung des Abgebildeten zulässig. (Quelle:  OGH vom 27. Februar 2013, 6 Ob 256/12h )

In Deutschland wird das „Recht auf das eigene Bild“ im Kunsturheberrechtsgesetz (kurz: KunstUrhG) vom 9. Januar 1907 geregelt. So erlaubt etwa § 22 die Veröffentlichung von Bildern, auf denen Personen nur als Beiwerk (z.B. zufällig vorbeilaufende Personen vor einem fotografierten Gebäude) erscheinen. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_am_eigenen_Bild_%28Deutschland%29#Personen_als_Beiwerk )

Aber nicht nur die Verwendung des Bildes an sich kann die Interessen des Abgebildeten betreffen, sondern auch der Kontex, in dem es publiziert wird. Das Recht am eigenen Bild ist kommerzialisierbar und hat einen Vermögenswert. Ein Bild darf ohne Zustimmung des Abgebildeten nicht zu Werbe- oder Geschäftszwecken missbraucht werde.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_am_eigenen_Bild_%28Deutschland%29#Kommerzialisierung )

Recht am eigenen Bild!

Recht am eigenen Bild!

Eine Besonderheit des „Rechts am eigenen Bild“ besteht in Deutschland für „Personen der Zeitgeschichte“, deren Recht auf Zustimmung zur Veröffentlichung ihres Abbildes eingeschränkt ist. Als Faustregel gilt: Je mehr eine Person im öffentlichen Interesse steht, desto eher muss sie eine Berichterstattung mit Bildern dulden. Allerdings gelten auch für diesen Personenkreis der Schutz der unantastbaren Intimsphäre und das geringere Recht auf Privatsphäre. Die deutsche Rechtsprechung unterschied früher zwischen „Personen der absoluten Zeitgeschichte“ und jenen der „relativen Zeitgeschichte“ hat sich aber in der Zwischenzeit für ein Konzept einer abgestuften Interessengewichtung und -abwägung entschieden, wonach im Einzelfall zu prüfen ist, ob das Personenbild „tatbestandlich“ der Zeitgeschichte zuzuordnen ist. (Quelle: BGH Urteil vom 3. Juli 2007 (PDF; 86 kB), Az. VI ZR 164/06, Volltext.)

Nachdem objektiv im Voraus schwer feststellbar ist, ob „schutzwürdige Interessen“ vorliegen, ist grundsätzlich zu empfehlen, vor der Publikation eines Bildes die Zustimmung des Abgebildeten einzuholen. Aus diesem Grund sind beispielsweise bei Veranstaltungen immer öfter Hinweise zu finden, wonach mit dem Betreten des Veranstaltungsortes oder –geländes der Veröffentlichung von bei dieser Gelegenheit gemachten Fotos automatisch zugestimmt wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Grundsätzlich ist das „Recht auf das eigene Bild“ ein unantastbares Persönlichkeitsrecht
  • Personenaufnahmen dürfen nur mit Zustimmung des Abgebildeten für Werbezwecke verwendet werden
  • „Personen des öffentlichen Lebens“ müssen eine Berichterstattung unter Verwendung ihres Abbildes dulden.
  • In Deutschland gibt es den Begriff des „Beiwerkes“, also zufällig fotografierter Personen.

Soweit ein kurzer Überblick über das „Recht am eigenen Bild“. Im zweiten Teil gehen wir der Frage nach, welche Rechte ein Autor eines Bildes bei der Verwendung und Publikation durch Dritte hat.

 

Quelle Bilder: depostitfoto @kjpargeter und @ damedeeso

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One Comment to Über den Umgang mit Fotos im Internet

  1. […] Teil 1 findest du unter: „Urheberrecht und soziale Netzwerke“ […]

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